Ein ganz normaler Tag…

Sie haben sich vielleicht schon einmal überlegt, wie Sie der Lega Pro Animale helfen könnten. Gerade im letzten Jahr habe ich einige nette Menschen kennen gelernt, die sich diese Frage stellten, sei es auf Grund der Aufnahme eines Schützlings der Lega Pro Animale in ihre Familie oder sei es auf Grund tiermedizinischen Interesses an ausländischem Tierschutz von Kommilitonen aus meinem Studium. Um sich einen Einblick über die täglichen Aufgaben der Mitarbeiter verschaffen zu können, schildere ich Ihnen einen typischen Tagesablauf. Da ich während meiner Aufenthalte im Tierheim noch Tiermedizinstudentin war, sind einige Aufgabenbereiche sehr tiermedizinisch „angehaucht“. Wenn Sie gerne einmal mitarbeiten möchten, müssen Sie aber keine tiermedizinische Ausbildung haben, sondern über eine großes Maß an Motivation, Freude an der  Arbeit, Ausdauer und ein großes Herz für die Tiere, haben.

Susanna, Melanie, Nina und Inka im Operationsraum

Unsere Wecker klingelten um 7.00 Uhr… Mit großen Augen und freudestrahlend stand der Hund meiner Freundin Nina schon an der Tür unseres Bungalows. Er wusste genau, dass die nächste Stunde ihm und der Schar von Doro`s Hunden gehörte: Doro, Nina, 10 Hunde und ich durchstreiften die mit Tau behangenen Wiesen, zwischen Maisfeldern hindurch bishin zu einem künstlich angelegten Ententeich. Das war an jenen Morgen der Moment, an welchem man spätestens beim Eintreffen an diesem Teich aus der Idylle in die Realität zurückgeholt wurde: aus den gut getarnten Verstecken am Rande des Teiches zielten Hobby-Jäger auf eintreffende Enten, die sich ahnungslos zu anderen Lockenten hinzugesellten…Es gab natürlich auch Momente, an denen man schon viel früher in die Realität zurückgeholt wurde: spätestens beim Öffnen des Eingangstores entdeckt man vor dem Tor ausgesetzte Katzen und Hunde, sei es freilaufend, in Kartons, Säcken oder Plastiktüten…  Während diesen morgendlichen Spaziergängen erzählte uns Doro immer wieder voller Energie und Enthusiasmus von Ihren neuen Ideen und Strategien…

Nach einem kurzen Frühstück begannen wir unseren Arbeitstag mit der Säuberung der Boxen, die sich innerhalb der Klinik befanden. Hier werden kranke Hunde und Katzen untergebracht.  Während wir uns um diese Tiere kümmerten, säuberten die Helfer die Ausläufe und Boxen aller Tierheimhunde und – katzen. Routinemäßig werden hierbei Kotproben eingesammelt und im eigenen Labor auf Parasiten untersucht. Somit machten wir uns anschließend daran, diese Untersuchungsverfahren anzusetzen und auszuwerten.

 diese Katze wurde auf der Mauer des Tierheims ausgesetzt

Eine stets mit größter Euphorie und funkelnden Augen durchgeführte Tätigkeit waren die Operationen. Es handelte sich größtenteils um Kastrationen von männlichen und weiblichen Hunden und Katzen. Wir bereiteten die Tiere für die Operationen vor und führten diese unter Anleitung der angestellten Tierärzte durch. Es machte soviel Spaß, dass man hierbei regelrecht die Zeit vergaß… es wurde so lange kastriert, bis alle für diesen Tag eingefangenen Straßentiere operiert waren. Unterbrochen wurden wir nur, wenn zum gemeinschaftlichen Essen in unserer „Mensa“ gerufen wurde. Die Mensa ist ein kleines Gebäude inmitten des Tierheims. Es ist von einem Zaun umgeben, der den Auslauf der kleinen Hunde umzäunt. Hier saßen wir unter freiem Himmel und aßen und waren von allen kleinen Vierbeinern umgeben. Diese Anordnung ist für Mensch und Tier optimal, da man während der Pause die Hunde stets im Auge hat und die Hunde so auch nicht den Kontakt zu Menschen verlieren.

 Inka, Susanna und Nina beim Frühstücken vor der Mensa

Nachmittags ab 15 Uhr begann die Sprechstunde in der Klinik. Nina und ich machten nun unterschiedliche Tätigkeiten: manchmal halfen wir bei der Sprechstunde zur Unterstützung der Tierärzte mit, manchmal kastrierten wir noch bis abends weiter. Unsere Lieblingsbeschäftigung war es aber, selbst loszuziehen, das Auto mit Katzenfallen, Katzen- und Hundetransportboxen, Futter und Leinen zu bestücken und auf die Suche nach Straßenhunden und Straßenkatzen zu gehen. Es war immer ein Abendteuer und die Spannung war riesig, zumal es nicht selten ist, dass man  auf Tiere trifft, die verletzt am Straßenrand vor sich hin vegetieren oder Hunde wie Skelette an Müllcontainern stehen, ausgemergelt von Krankheiten und Parasiten und lethargisch nach Essbarem suchen. Freilaufende Hunde und Katzen kontrollierten wir auf Tätowierungen am Bauch oder an den Ohren. Diese Markierungen gaben uns Hinweise dafür, ob diese Tiere bereits kastriert, mit Mikrochip versehen und wieder ausgesetzt wurden. Seit 1991 ist es in Italien Pflicht, die eigenen Tiere mit einem Mikrochip registrieren zu lassen. Leider setzen die wenigsten Tierbesitzer diese Bestimmung in die Realität um. 

Straßenhunde und -katzen werden einige Tage nach der Kastration wieder an ihren Fundort zurückgebracht. Das „einsammeln“ der Tiere löst das Straßenhundeproblem in den südlichen Ländern nicht. Die Tiere haben bestimmte Territorien, in welchen sie sich bewegen und ihre Futterstellen haben. Entfernt man nun eines dieser Tiere, kann ein anderes dessen Futterstelle übernehmen und somit bleibt die Straßenhundepopulation konstant hoch. Viele Länder versuchen dieses Problem mit Vergiftung, Erschießung oder Euthanasie der Tiere in den Griff zu bekommen- erfolglos, zudem noch eine bestialische und zu verabscheuende Methode. In Italien sind diese Methoden verboten- hier ist es so, dass die Tiere von der Straße weggesammelt und in Tierheimen lebenslang verwahrt werden. Auch bei dieser Methode hat man festgestellt, dass die Straßen trotzdem noch mit Hunden und Katzen besiedelt bleiben… ein wesentlicher Grund hierfür sind die unkastrierten Tiere, die eigentlich Besitzer haben und sich unkontrolliert mit anderen Tieren fortpflanzen…

 Inka und ich bei einer kurzen Pause während einer
Hunde-Fangaktion

Wir arbeiteten des Öfteren bis spät abends, oft hatten wir die Zeit einfach vergessen. Es sammelten sich im Laufe des Tages stets so viele Arbeiten und Ideen an, dass die Tage stets zu kurz waren. Es ist erstaunlich, wie viel  Energie ein Mensch  mit der Hilfe von dankbaren Tieren entwickeln kann.

Zum Abschluß des Tages bekochte uns Doro häufig mit dem besten veganen Gerichten, die man sich vorstellen kann. Wir genossen das vorzügliche Essen, ließen den Tag revieu passieren und besprachen mit Doro die Ideen, die am nächsten Tag verwirklicht werden sollten. Erschöpft und mit großen Vorsätzen für den nächsten Tag schliefen wir  mit dem Gefühl ein, ein klein wenig im Kampf gegen das Elend erreicht zu haben.

 

Eure Melanie 2004

 

 

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