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Persönliche Erfahrungen
Dorothea Friz beschreibt,
mit welch erschwerten Bedingungen sie in Italien zu kämpfen
hat.
Kein Aprilscherz
…………………………
Ich
besitze ein Narkosegewehr, um dieses zu benuetzen musste ich
einen Waffenschein beantragen. In regelmaessigen Abstaenden
muss meine “physische und psychische Tauglichkeit” fuer
diesen Waffenschein bescheinigt werden. So rief mich das
Polizeikommissariat an und teilte mir mit, dass ich innerhalb
von 30 Tagen diese Bescheinigung beschaffen und vorlegen
muesse.
Ich
ging Mittwoch der letzten Woche zum Gesundheitsamt im Ort und
man teilte mir mit, dass ich Freitag kommen muesse. Freitag,
den 1. April war ich Punkt 9 Uhr im Amt. Im Buero der
dottoressa, die mir diese Bescheinigung haette ausstellen
sollen, war zappenduster und keiner anwesend. Ich ging zum
Informationsschalter, hinter dem eine Angestellte eifrigst
irgendetwas schrieb. Ich versuchte verzweifelt meine
Anwesenheit bemerkbar zu machen, was mir nach einigen Minuten
gelang, aber nur um eine Schimpfkanonate zu ernten: sie koenne
ja nicht alles machen und ueberhaupt sei sie total
ueberarbeitet, usw usw. Der Herr am Schalter nebenan, der
nicht dafuer verantwortlich war, Informationen zu geben,
sondern irgendwelche Bescheinigungen auszustellen, war so
freundlich mir mitzuteilen, dass die dottoressa leider krank
sei und ich sollte mit einem anderen Herrn im Zimmer nebenan
reden. Dieser war der gleiche vom Mittwoch, ich dachte, er sei
Arzt, zumindest hat er nicht widersprochen als ich ihne mit
“Herr Doktor” ansprach. Nun, die dottoressa war wirklich
nicht da und auch kein Ersatz. Nachdem ich in den naechsten
Wochen nicht zuhause sein werde, habe ich gefragt, wie man
dieses, aber offensichtlich nur mein eigenes Problem, loesen
koennte. Ich habe darauf bestanden, dass ich als
steuerzahlender Buerger ein Anrecht darauf habe, in der
angegebenen Sprechzeit auch eine verantwortliche Person zu
finden, die mein Anliegen behandelt. Pustekuchen! Ich bin
forschen Schrittes, vereint mit dem “Herrn Doktor”, der
aber keiner war, wie der Direktor des Gesundheitsamtes dann
mitteilte, zwei Strassen weiter in das Buero desselben
marschiert. Wir warteten einige Minuten vor der verschlossenen
Tuere, hinter der lautstark ein Telefonat gefuehrt wurde.
Nachdem wir eingetreten waren, ging es ebenso lautstark
weiter. Ich wurde verbal angegriffen, was ich mir ueberhaupt
erlauben wuerde solche unerhoerten Forderungen zu stellen,
waehrend der angegebenen Sprechzeit die entsprechende Person
zu finden. Die dottoressa sei krank und da kann man halt
nichts machen. Ich benoetigte
eine geraume Zeit, um mit meinem Anliegen durchzudringen,
naemlich mein Zeitproblem und ob nicht ein anderer Doktor
diesen Schein ausstellen koennte. Der Direktor hatte eine
Blitzidee: das Gesundheitsamt der
Nachbargemeinde! Noch in meinem Besein rief der
Direktor den Kollegen des 10 km entfernten Amtes an und teilte
ihm meine Ankunft mit. Also los, rein ins Auto und auf nach
Mondragone. Eine freundliche Dame am Infoschalter gab korrekte
Informationen wie das Buero des entsprechenden Arztes zu
finden sei. Zuversichtlich trat ich in den Raum Nr. 25 ein und
fragte, ob ich hier richtig sei. Ein etwas dicklicher Mensch
maennlichen Geschlechtes bruellte mich an, was ich ueberhaupt
wollte. Er lief so rot an im Gesicht, dass ich dachte, dass er
platzen koennte. Als ich ihm von der Verlaengerung meines
Waffenscheines berichtete, starrte er mich von Kopf bis Fuss
und wieder zurueck zum Kopf an und kraehte mit absoluten
Unglauben im Gesicht und mit dem Maximum an Zweifel: “W a f
- f e n - s c h e i n ???
S i e ???????” Ich fragte ihn, was ihn das denn
anginge und wo wohl der Arzt sei, der vom Gesundheitsamt in
Castel Volturno angerufen worden sei. Dieser kam dann Gott sei
Dank zufaellig vorbei und mischte sich in unsere Diskussion
ein, die nun anfing auch von meiner Seite nicht mehr so ruhig
zu bleiben, wie ich das gerne gehandhabt haette. Der
verantwortliche Arzt von Mondragone teilte mir dann mit, dass
ich, fuer einen Waffenschein, eine Untersuchung mit einem
Psychologen verabreden muesse und dass eine einfache
Bescheinigung da nicht reicht. Ich bestand darauf, dass man
den Kollegen von Castel Volturno sofort anrief, der daraufhin
prompt behauptete, dass er gar nicht gewusst haette, dass ich
eine Bescheinigung fuer einen Waffenschein wollte. Ich bin
nicht 100 % ig sicher, ob nicht genau dieser Arzt als Scherz
in die fruehere Diskussion ueber meine Zeitprobleme
eingeworfen hatte, dass ich doch wohl nicht mit dem
Narkosegewehr nach Amerika reisen muesste?
Im
Klartext: schon die erste Information vom Mittwoch war falsch,
die haetten mir gleich sagen muessen, dass ich einen
Psychiater brauche, um den Waffenschein zu verlaengern.
Mittlerweile waere ich froh gewesen, einen Psychiater zu
meiner Seite zu haben, damit ich nicht anfangen wuerde auf
unschuldige Angestellte und Aerzte vom Gesundheitsamt zu
schiessen………….
Ich
ging zurueck zur Polizei, der Beamte war wirklich sehr nett
und ich teilte ihm mein Problem mit. Er meinte, ich solle mir
doch nicht so riesige Probleme machen, ich sollte zu meinem
Hausarzt gehen, der sollte eine Bescheinigung ausstellen, dass
ich “normal” sei (da gibt es einen Vordruck!) und diese
Bescheinigung muesste von einem staatlich anerkannten Arzt
gegengezeichnet werden. Zum Beispiel Militaeraerzte,
Polizeiaerzte, Amtsaerzte usw, und nebenan sei eine
Fahrschule, da kommt einmal pro Woche ein Militaerarzt und
bescheinigt allen Fahrschuelern, dass sie nicht verrueckt
sind. Das wuerde dann zwar etwas kosten, aber dann haette ich
alle Probleme schnell geloest. Ich ging sofort nebenan zur
Fahrschule. Der Militaerarzt kam
nur mittwochs und dieser Tag war in keiner der
folgenden Wochen mit meinem Terminkalender nicht vereinbar.
Zurueck zur Polizei: der freundliche Polizist gab mir den Rat,
es mit einer anderen Fahrschule zu versuchen. Aber erst musste
ich ja zu meinem Hausarzt. In den 22 Jahren, in denen ich hier
wohne und arbeite war ich nur einmal bei diesem, um eine
Gesundheitsbescheinigung fuer die Verlaengerung meines
Fuehrerscheins zu erhalten. Das war vor ungefaehr 8 Jahren und
ich habe mich weder an die Adresse, noch an den Namen des
Arztes erinnert. In meinem “Gesundheitsbuechlein” habe ich
dann noch gesehen, dass dies abgelaufen war und ich bin
zurueck zum Gesundheitsamt, um dieses zu erneuern. Mein
ehemaliger Hausarzt lebte auch noch und hatte auch
tatsaechlich morgens Sprechstunde und ich fuhr sofort dorthin
und brachte wieder mein Anliegen vor. Ja, und dann hat er
angefangen in seiner Ambulanz unter Stoessen von Akten und
Zeitungen und Bergen von Arneimitteln nach dem Vordruck fuer
diese Bescheinigung zu suchen – ohne Erfolg. Er fragte mich,
ob es nicht dasselbe waere, wenn er einfach den Text der
Bescheinigung auf ein Rezept schreiben wuerde. Ich wollte und
konnte das nicht entscheiden und habe den netten Polizisten
vom Handy aus angerufen und dem Doktor weitergerreicht. Eine
heftige Diskussion zwischen den Beiden hat keinen positiven
Entscheid gebracht: der Vordruck musste her. Ich habe meine
Handynummer bei dem Doktor gelassen und er versprach, das
Formular zu suchen oder irgendwie zu beschaffen und mich
anzurufen, falls er es in Haenden haette. Ich bin nach Hause,
es war mittlerweile 14 Uhr. Ich war viel zu muede, um noch
wuetend zu sein, ich wollte nicht einmal mehr irgendjemanden
erschiessen. Ich wollte nur noch aus diesem Land auswandern.
Ich war den Traenen nahe.
Am
Samstag morgens um 04.30 klingelte der Wecker. Ich bin nach
Sizilien geflogen, um meinen Kurs fuer Amtstieraerzte zu
halten. Das Handy hatte ich nur auf Vibration gestellt. So
alle 30 Minuten kam dann der Anruf von meinem Hausarzt (dem
ich aber mitgeteilt hatte, dass ich am Samstag fuer einen Kurs
in Palermo bin). Nach Beendigung der Vorlesungen rief ich
zurueck: er hat das Formular gefunden, bei sich zu Hause und
ich koennte kommen und es abholen!
Hoffentlich
bescheinigt er meine geistige und physische Gesundheit und
hoffentlich finde ich dann eine Fahrschule, bei der ein
Militaerarzt am richtigen Tag “Sprechstunde” haelt und die
Bescheinigung gegenzeichnet. Und hoffentlich hat der nette
Polizist recht und nicht der Amtsarzt von Mondragone, der
meinte meine Psyche muesste von einem Psychiater begutachtet
werden. Oder vielleicht sollte ich mich doch besser
erschiessen, damit dieser Spuk ein Ende hat? Aber wie macht
man das mit einem Narkosegewehr?
Dorothea Friz, Tierärztin
E-Mail:
legaproanimale@tin.it
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SOMMERZEIT – REISEZEIT
“Bitte nicht füttern…….”
Julia
Brinkmann, Tiermedizinstudentin
Straßenhunde
und –katzen am Urlaubsort erwecken bei vielen Touristen
großes Mitleid. Das ist durchaus gerechtfertigt und sollte
als Motivation für sinnvolle Hilfe genutzt werden.
Wie
kann das Leid der Streuner langfristig gelindert werden?
Ganz gewiss nicht durch kurzzeitiges Füttern während des
Aufenthaltes am Ferienort….. Und warum nicht? Das hat
mehrere Gründe: es ist eine biologische Grundlage, dass die
Größe einer Population von den vorhandenen Ressourcen wie
Nahrung, Wasser und Unterschlupf abhängt: ist viel Futter
vorhanden, kann die Population wachsen. Dadurch, dass die Hündinnen
und Kätzinnen gut genährt sind, bringen sie viele Welpen
zur Welt, die sie dann auch mit reichlich Milch großziehen
können. Mit anderen Worten: die Anzahl der Streuner wird größer.
Ist die Reisezeit dann vorbei und alle Urlauber wieder
daheim, füttert niemand mehr. Die Welpen verhungern
qualvoll….
Was
könnte man stattdessen tun? Mittlerweile gibt es fast überall
auf der Welt Tierschutzvereine. Viele verfolgen inzwischen
den Ansatz, dass man das Straßenhunde und –katzenproblem
nicht mit der Verbringung der Tiere in Tierheime lösen
kann. Stattdessen wird das Ziel verfolgt, durch Aufklärungsarbeit
der Bevölkerung, Kastrationsaktionen und das
Wiederfreilassen der Streuner zu einer langfristigen
Problembeseitigung zu kommen.
Wer
vor Ort einen Tierschutzverein findet, der in diesem Sinne
arbeitet, kann durch finanzielle Unterstützung, vielleicht
sogar durch das Bezahlen einer Kastration, ein kleines Stück
dazu beitragen, dass irgendwann keine herrenlosen und
hungernden Vierbeiner mehr das Strassenbild des
Urlaubsgebietes prägen. Oft kann das Hotelpersonal bei der
Suche nach einer solchen Organisation helfen.
JEDER
HUND UND JEDE KATZE BRAUCHT EIN LIEBEVOLLES ZUHAUSE. DAHER
SCHLUSS MIT DER „PRODUKTION“ VON UNGEWOLLTEN
LEBEWESEN!!!
Hat
man am Urlaubsort sein Herz an ein ganz bestimmtes Straßentier
verloren und möchte es mit zurück in die Heimat nehmen,
sollten unbedingt die geltenden Verbringungsverordnungen für
Heimtiere eingehalten werden. Wie diese genau aussehen, kann
beim jeweiligen Konsulat erfragt werden.
Eventuell
muss am Urlaubsort eine Tierpension oder Pflegestelle
gefunden werden, bis alle „Transportbedingungen“ erfüllt
werden.
Vom
heimlichen „Schmuggeln“ eines Vierbeiners, sei es auch
„nur“ innerhalb Europas, sei an dieser Stelle ausdrücklich
abgeraten. Nicht nur das eigene Tier muss dann unter Umständen
zu Hause leiden, weil der heimische Tierarzt eine evtl.
importierte Krankheit nicht gleich erkennt, sondern auch
alle Tiere, die möglicherweise schon angesteckt worden
sind. Deren Immunsystem ist meist nicht so einfach in der
Lage, mit den mitgebrachten Krankheitserregern fertig zu
werden.
Welpen,
die noch nicht gegen Tollwut geimpft sind, dürfen nicht
mitgenommen werden, d.h. sie müssen mindestens vier Monate
alt sein. Als abschreckendes Beispiel sei hierzu ein Fall
aus Hannover erwähnt: ein aus Marokko mitgebrachter nicht
geimpfter Junghund verendete an Tollwut, was nach sich zog,
dass alle Menschen, die mit ihm Kontakt hatten, sich einer
Tollwutimpfung – und –untersuchung unterziehen mussten.
Alle nicht geimpften Hunde, die engeren Kontakt zu dem
„Urlaubsmitbringsel“ hatten, wurden getötet.
Weitere
Informationen erhalten Sie hier
E-Mail:
lPA-ITALIEN@gmx.net
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Tierschutz in
Italien
Anfangs dachte ich, Tierschutz im Ausland kann doch nicht
so schwierig sein. Schließlich gibt es überall Menschen,
die Tiere lieben.
Toskana. Das Tierheim, von einer Deutschen geführt,
mitten in der Pampas der „armen“ südlichen Toskana. Der
dazugehörige Ort, auf einem Berg gelegen, ist mehr oder
weniger tot. Nachdem die örtliche Bergwerksmine dicht
gemacht hat, herrscht dort eine Arbeitslosenquote von fast
80 %. Junge Leute? Fehlanzeige. Der Bus kommt 3 x täglich
– wenn man Glück hat.
Für die freiwilligen Helfer ist von 6 Uhr bis 21 Uhr
nichts als Arbeit angesagt. Die ca. 100 Hunde und etwa
ebenso vielen Katzen wollen versorgt werden. Die
Krankheitsprophylaxe gestaltet sich schwer, die baulichen
Gegebenheiten lassen eine ordentliche Hygiene nicht zu. Dazu
kommt das Personal. Meist Helfer mit viel Liebe, aber wenig
Ahnung von der Materie, eiligst herbeigeholt, wenn sie sich
anboten, manchmal, weil ihnen kein anderer Platz in
Deutschland mehr zur Verfügung stand. Wenn Geld da ist,
wurden hier und dort ein paar Hunde oder Katzen eingefangen,
um sie am nächsten Morgen auf 30 km übler Bergstraße zum
Tierarzt zu bringen. Am Nachmittag wurden sie dann wieder
abgeholt und zurück gekarrt. Manche überleben diese
Prozedur nicht. Was nicht unbedingt an den Straßen liegt.
Mindestens 15 x war ich dort – verteilt auf 7 Jahre.
Ich habe aufgehört. Eigentlich hätte ich dies schon viel
früher tun müssen. Dann würden 5 „Köll’sche
Katzen“ jetzt noch leben. So starben sie durch eine aus
Italien eingeschleppte Infektion. Und eine Freundschaft ging
zu Bruch. Der Deutschen in der Toskana ist’s egal. Sie ist
wieder eine Katze los.
Region Follonica/Toskana. Das private Tierheim ist halb
städtisch. Bürgermeister, Amtsveterinär, Vorstand –
irgendwie alles eine Sippe. Für gut 300 Hunde ist ein Mann
verantwortlich. Der wird bald wahnsinnig. Gitter- und
Bretterverhaue. Teilweise blanker Boden, 3 Hunde teilen sich
eine Asbesthütte. Bei Regen überall dicker Schlamm. Ratten
und ihre Löcher überall. Dreck. Tierleichen. Ein
Lieferwagen fährt vor und lädt die Essensreste eines
örtlichen Gastronomiebetriebs aus. Wollen den Hunden mal
was Gutes tun…
Dank eines Gönners aus der Schweiz können wir 200
Hütten kaufen. Kunststoff, kälte- und wärmeisoliert,
leicht zu reinigen, Stecksystem. Mit 6-8 Mann rücken wir
morgens an. Grundreinigung der Zwinger, Einebnen des Bodens,
kiloweise Fellreste aus den Ecken. Die Ratten fliehen in
Panik über unsere Füße. Hektoliterweise Wasser
verspritzen wir. Am Ende haben wir alle Zwinger
grundgesäubert, die Asbesthütten rausgeworfen und unsere
Hütten aufgestellt. Die Hunde sind glücklich. Der Mann im
Tierheim auch.
5 Tage später sind 20, 3 Monate später bereits 90
Hütten verschwunden. Spurlos. Angeblich kaputt. Durch die
Blume gibt man uns zu verstehen, dass die Dinger doch
wirklich zu schade fürs Tierheim sind. Aber beweisen
können wir nichts. Und nun? Ist wieder alles verdreckt.
Region Assisi. Eine große ital. Tierschutzorganisation
führt dort ein Tierheim. Eine deutsche Tierschützerin
hilft dort über viele Monate ehrenamtlich aus. Eine
Lieferung Futter wird aus Deutschland erwartet. Es kommt ein
7,5-Tonner, voll mit Royal Canin Hundefutter, Frischware.
Gekauft von den zahlreichen Spenden der Organisation, die
diese Lieferung organisiert hat. Dessen Vorsitzende lässt
sich bei der Entladung fotografieren – es macht sich ja
gut in der Vereinszeitung – und reist anschließend weiter
in ihr Urlaubsdomizil. Am Abend kommt ein anderer 7,5-Tonner
und lädt die ganze Ware wieder auf. Sie findet sich Tage
später in einer örtlichen Zoohandlung wieder, zweifelsfrei
identifizierbar aufgrund dezent angebrachter Markierungen.
Die Zoohandlung gehört übrigens einem der
Vorstandsmitglieder des Vereins. Die Hunde des Tierheims
leben weiter von Essensresten örtlicher Hotels.
Gleiche Region. Im Tal ein großes Grundstück, gekauft
für die Tiere von einer deutschen Tierschützerin.
Handwerker setzen dort Fenster, Türen, bauen aus. Meist
sind es deutsche, die dafür (fast) gar nicht entlohnt
werden. Dies liegt zum Zeitpunkt der Aufzeichnungen bereits
lange zurück. Dennoch finden sich nur ganz wenige
Kleintiere dort. Und die Handwerker sind doch erstaunt
angesichts der Diskrepanz, die zwischen Ziel (=>
Tierheim) und Anspruch (=> Preis und Qualität) bei der
Wahl der Baustoffe liegt.
Provinz Benevento. Eine Woche ist geplant für die
kostenlose (!) Kastration möglichst aller Tiere eines
dortigen Tierheims. Ein Spezialistenteam rückt mit
fahrbarem OP an. Nach Sichtung der Tiere steht fest: Viele
sind unheilbar krank, bei etlichen weiteren ist
offensichtlich die Leishmaniose ausgebrochen. Obwohl diese
Tiere qualvoll sterben werden, besteht man dort auf die
Kastration und lehnt die Euthanasie im Sinne der
Tierschutzrichtlinien ab. Das Spezialistenteam rückt wieder
ab und fährt 150 km zurück nach Hause. Der Vorstand des
Tierheims hat eine Menge Arbeit gespart. Und Geld verdient.
Schließlich hätten die durch die tiergerechte Euthanasie
entstandenen Lücken zunächst kein wertvolles Geld in die
Taschen gespült und sie hätten wieder irgendwie gefüllt
werden müssen.
Provinz Taranto. Bereits häufiger werden groß angelegte
Spendenaufrufe über nahezu sämtliche Verteiler und Foren,
vor allem in Deutschland, für ein regionales Tierheim
gejagt. Angeblich ist die Stadt pleite (welche Stadt ist das
nicht?) und zahlt kein Geld mehr an das Tierheim, in dem die
Tiere jetzt verhungern, wenn nicht SOFORT geholfen wird. Die
beschriebenen Zustände sind katastrophal, aber nicht nur in
Taranto. Sondern fast überall in den „städtischen“
Tierheimen Italiens. Fakt ist: Auch dem besagten Tierheim
stehen große Mengen Gelder nach dem Tierschutzgesetz zu.
Gelder, bei denen deutsche Tierheime glücklich wären, wenn
sie sie besäßen! Fakt ist auch: Die medizinische
Versorgung der meist kranken Tiere ist dadurch nach wie vor
nicht gewährleistet. Die Tiere sind häufig unkastriert –
es wird also auch im Tierheim Nachwuchs erzeugt. Hundewelpen
ohne Chance. Und Fakt ist ebenso: Wenn man sich persönlich,
auch als Spender, von der Situation überzeugen will, wird
einem der Zutritt zum Tierheim untersagt! Aber nach den
Erfahrungen (s. oben) darf die Frage erlaubt sein, wie viel
von den nach Angaben der Organisatoren weit über 50 Tonnen
Hilfsgüter tatsächlich bei den Hunden angekommen sind??
Diese Abschnitte sind Teile meiner Erfahrungen, weil ich
mich seit Jahren mit dem Tierschutz in Italien in allen
Facetten auseinander setze, auch, wenn ich nicht dort wohne.
Ich habe dabei nur einige Kernaspekte genannt. Die
Aufzählung könnte noch deutlich ausgeweitet werden.
Ausdrücklich möchte ich betonen, dass ich niemandem,
der sich für Tiere in Italien oder irgendwo sonst auf der
Welt einsetzt, persönlich den Vorwurf der Unwissenheit oder
gar der Bereicherung mache. Die meisten, die von irgendwo
einen Hilferuf aufschnappen und aktiv oder passiv
Unterstützung einfordern bzw. leisten, tun dies mit dem
Willen, an der beschriebenen Situation etwas zu ändern. Die
wenigsten ahnen jedoch nur im Ansatz, dass ihr Wille allein
nichts an der Situation der Tiere ändert. Denn sie sind nur
der Anfang einer langen Kette von Personen, Institutionen
und Organisationen. Und dort denken, leider gerade im
Ausland, längst nicht alle so unvoreingenommen und
selbstlos wie die engagierten Tierfreunde, die ich anfangs
dieses Absatzes ansprach.
Es ist also unbedingt darauf zu achten, einen seriösen
Verein zu finden, der sich von A bis Z für die Kette vom
Spendenwilligen bis zum Hund verantwortlich zeichnet und
dies auch vor Ort nachweisen kann.
Bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Jeder ist für sein
Handeln selbst verantwortlich.
Norbert Steins
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„Das
bisschen Hunde kraulen…“
oder:
Die
Chronologie einer Hilfsaktion
Ein Zitat eines Arbeitskollegen. Eine
Hilfsaktion. Ein Gegensatz. Wunderbare Ansätze für ein
bisschen Aufklärung zum Thema „Logistik im Tierschutz“!
Eine Anmerkung vorab: Da wir für
unsere Tierschutzarbeit nicht bezahlt werden (im Gegenteil),
zwingt uns natürlich niemand, uns diesem Stress
auszusetzen. Wir wollen daher mit der Chronologie
keinesfalls jammern. Denn wir machen das gerne, weil wir
davon überzeugt sind, so wirklich sinnvollen Tierschutz zu
unterstützen. Was wir lediglich zum Ausdruck bringen
wollen, ist, welches persönliche Engagement und welcher
Zeit- und letztlich auch Kostenaufwand sich hinter der
Arbeit der LPA versteckt. Dabei ist unsere Aktion nur eine
von vielen weiteren, die an diesem Wochenende von anderen
gestartet wurden.
So, 25.03. ist der Tag, auf den wir
hinarbeiten. An diesem Tag trifft sich Dorothea Friz von der
LPA mit aktiven Helfern am Bodensee. Hier kommen Spenden aus
ganz Deutschland zusammen. Im Gegenzug werden ein paar Hunde
von der Lega übergeben. Doro Friz fährt anschl. weiter zu
einem Kongress in die Schweiz.
Wir (Birgit und Norbert Steins vom
Niederrhein) werden ebenfalls dort erwartet. Im Vorfeld
starten wir Spendenaufrufe an unsere Freunde, sind in den
letzten 7 Tagen nahezu täglich mit Sammelfahrten, Sortieren
und Packen beschäftigt. Auch wegen der zu übernehmenden
Hunde müssen zahlreiche Anfragen beantwortet werden.
Planungen, wer welchen Hund aufnehmen wird, werden
manifestiert und aufgrund neuerer Entwicklungen direkt
wieder verworfen. E-Mails, SMS und Telefonate werden ständig
ausgetauscht. Wir planen die Aktivierung eines „Roten
Telefons“, welches aber dann doch nicht zum Einsatz
kommt…
Am Wochenende selbst dann Großeinsatz.
Hier eine Chronologie:
Freitag,
23.03., Birgit:
U.a. Fahrt nach Bottrop. Die angekündigten
„paar Kartons“ entpuppen sich als eine komplette
Kombiladung med. Bedarfsmaterial, was zu Hause in 3stündiger
Arbeit noch einmal sortiert werden muss, da leider nicht
alle Materialien in Italien zugelassen sind. Da die LPA eine
Klinikzulassung hat, muss sie sich an die Vorschriften
halten. Die Nutzung einer Tube Orisel z.B. kann schnell
10.000 EUR Ordnungsgeld kosten! Was wir leider nicht nutzen
dürfen, kommt einer anderen TS-Orga im Ausland zu Gute.
Zeitaufwand für diese Aktion: 7 Stunden.
Freitag,
23.03., Norbert:
04:30 Uhr:
Wecker. Zunächst noch die Frühschicht hinter mich
bringen.
14:30 Uhr: Feierabend. Schnell
mit dem Zug von Duisburg nach Bonn.
15:30 Uhr: Übernahme eines
Transporters, den uns der Dt. Tierschutzbund
freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
15:45 Uhr: Mit Zwischenstopps
innerhalb Bonns, in Köln-Sürth, Meerbusch-Lank und in
Duisburg (Abholung von Sachspenden) geht es nach Alpen.
20:15 Uhr: Ankunft zu Hause,
nahezu zeitgleich mit Birgit. Fahrzeug ausladen, Material
sortieren, neu zusammenstellen.
21:30 Uhr: Unsere eigenen Tiere
lechzen nach Aufmerksamkeit, unsere Mägen unisono.
23:30 Uhr: Endlich Bettruhe!
Samstag,
24.03., Birgit:
Vormittags weiter Material sortieren
und packen. Hundezimmer für Pflegetiere säubern und
vorbereiten.
13:00 Uhr: Fahrt nach
Oer-Erckenschwick und Dortmund zum Laden von Spenden. Wieder
ist der Kombi voll bis unters Dach. Und der Rücken
beschwert sich ebenfalls massiv. Man ist eben keine 20 mehrJ.
20:00 Uhr: Ankunft zu Hause.
Samstag,
24.03., Norbert:
5:00 Uhr: aufstehen. Großer
Spaziergang mit Pensionshund Aaron. 10 Stunden Dienst.
20:00 Uhr: Ankunft zu Hause.
Transporter beladen.
23:30 Uhr: Feierabend.
Sonntag,
25.03.:
04:30 Uhr Wecker.
05:30 Uhr Abfahrt. Schnell
geht’s nicht voran – das Fahrzeug ist gut beladen. Nach
einem Zwischenstopp bei Bingen (Frühstück bei der stolzen
Besitzerin eines LPA-Hundes, von uns offiziell als 4.
Nachkontrolle deklariertJ
) geht es zum Bodensee. 15:00 Uhr: Ankunft.Bodensee.
15 – 18 Uhr: Etwa 10 Helfer
transportieren Kartons, Tüten, Boxen zwischen diversen
Fahrzeugen hin und her. Es gilt, das OP-Mobil der Lega, was
aus Italien kurz vorher eingetroffen ist, so effektiv und
sinnvoll als möglich zu beladen. Schließlich ist es
vollbracht.
Gleichzeitig toben einige aus Italien
mitgekommene Hunde ihre Lebensfreude im Garten aus. Auch sie
werden aufmerksam beobachtet.
Die Gastgeberin hat einen
phantastischen Imbiss vorbereitet. Während wir uns diesen
munden lassen, werden rasch die wichtigsten Neuigkeiten und
Mitbringsel ausgetauscht.
18:00 Uhr: Beladen mit 7 Hunden
fahren wir wieder ab. Via Titisee-Neustadt, Freiburg geht es
nach Baden-Baden.
21:45 Uhr: Ankunft bei
Baden-Baden und Übergabe von 4 Hunden an eine befreundete
TS-Orga sowie Übernahme von 3 leeren Boxen.
22:10 Uhr: Weiterfahrt nach
Sternenfels bei Bretten.
23:30 Uhr: Nach einer Irrfahrt
durch Bretten (Wegweisung mangelhaft!) Ankunft in
Sternenfels. Für die Vermittlung unserer Hündin Stampa
muss noch der Papierkram erledigt werden. Alles andere war
im Vorfeld bereits sorgfältig abgeklärt worden. Bevor wir
wieder Richtung Autobahn fahren, lassen wir „unsere“ 2
verbliebenen Schützlinge noch im Garten pullern.
00:15 Uhr: Weiterfahrt via
Bruchsal – Frankfurt – Köln – Duisburg.
05:30 Uhr: Ankunft in Alpen am
Niederrhein. Versorgung der beiden Pflegehunde, ausladen.
07:00 Uhr: Nach 25 Stunden
Dauereinsatz und 1560 km ist dieser „Tag“ beendet. Jetzt
schnell ins Bett. Am gleichen Tag um 14.30 Uhr wartet wieder
der Job!
Ach so, wir lassen dabei die ganze
Arbeit außerhalb dieses Protokolls mal völlig unberücksichtigt:
Viele, viele und Anrufe beantworten, Termine koordinieren,
Vorkontrollen fahren, Beratungsgespräche führen.
Dazu die Arbeit in unserer Tierpension, die Familie fordert
auch ihr Recht, das Haus, der Garten… - na gut, dafür
haben wir ja noch viel Zeit. Denn unsere Tierschutzarbeit
ist ja eben nur
„ein bisschen Hunde kraulen“!
Alpen, im März 2007.
Birgit und Norbert Steins
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